At Crossroads -Wird Europa zur Festung?
Die griechische Künstlerin Kalliopi Lemos thematisiert in ihrer Installation "At Crossroads" die Fragen nach Identität, Migration und Grenzziehung auf dem historischen Platz vor dem Brandenburger Tor. Zu einem 13 Meter hohen Turm werden neun türkische Holzboote, die an der griechischen Küste mit Flüchtlingen aus dem Nahen Osten gestrandet sind, in einem Gerüst aufeinandergestapelt. Wird Europa zur Festung? Das 30. Akademie-Gespräch am 20.10. thematisiert die aktuelle Zuwanderungspolitik. (Foto Theodoros Scrivanos)
At Crossroads
12. - 30. Oktober
vor dem Brandenburger Tor
Es ist der dritte Teil einer Trilogie von Werken im öffentlichen Raum, die Kalliopi Lemos seit 2006 in den Städten Eleusis, Istanbul und nun Berlin realisiert. Das Werk ist vom 12. bis 30.Oktober 2009 zu sehen und verweist auf den Fall der Berliner Mauer vor 20 Jahren. Diese Installation steht unter der Schirmherrschaft des griechischen Kultusministeriums und wurde in Zusammenarbeit mit dem griechischen Institut für Einwanderungspolitik in Athen (IMEPO) organisiert.
Das zu Grunde liegende Medium für alle drei Installationen sind authentische türkische
Holzboote, welche illegale Flüchtlinge auf ihren Überfahrten von Osten nach Westen
benutzen. Foto- und Filmdokumentationen des gesamten Projekts werden in der Akademie der Künste (Haus Pariser Platz 4) zu sehen sein.
Kalliopi Lemos lenkt die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums auf das Thema der
Migration durch ein interdisziplinäres Kunstprojekt, das Länder, Institutionen und den
Migranten in jedem von uns anspricht. Durch die Verwendung echter Boote verweist Lemos auf das heikle Thema der illegalen Einwanderung und schafft eine einmalige Trilogie von Installationen, die den universellen Wert der Solidarität in sich trägt und Übergänge von Land zu Land, vom Leben zum Tod sowie deren Potential als Quellen der Erneuerung untersucht.
Das Werk ist eine Ode an das menschliche Leiden, da die Boote, welche die Flüchtlinge
transportieren, eine besonders schwere historische, emotionale und intellektuelle Last
tragen und so für die Künstlerin zu Heiligtümern werden. Die Boote besetzen den
öffentlichen Raum und nutzen ihn als Bühne für eine Vorführung sowohl der Tragödie des
menschlichen Daseins als auch der historischen Aspekte der Migrationsthematik. Diese
Strategie ermöglicht der Künstlerin, einen Dialog zwischen den Werken, einem bestimmten Ort und dem Publikum anzustoßen.
Als abschließenden Höhepunkt der Serie wird die Künstlerin in Berlin neun echte türkische Holzboote zeigen. Vier Boote am Fuß der Installation bilden ein Kreuz, das Berlin als Kreuzungspunkt für Entscheidungsfindungen und Immigration in Europa symbolisiert. Die Installation wird 13 Meter hoch sein und eine Fläche von 180 m² einnehmen. Die zerbrechlichen Objekte sind eng verbunden mit den tragischen Fahrten, die oft von Menschenschmugglern organisiert, jährlich 3.000 bis 4.000 Tote fordern.
Mit der Installation „Crossing“ (2006-2009) begann das Projekt in Eleusis in der Nähe der
archäologischen Ausgrabungsstätte, wo das Heiligtum der Göttin Demeter stand. Diese
Installation wurde im Juli dieses Jahres in einer privaten Zeremonie verbrannt. Darauf folgte „Round Voyage“ (2007-2009, siehe Fotos oben für beide Werke) auf dem Gelände des Santralistanbul, Istanbuls Museum für zeitgenössische Kunst an der Spitze des Goldenen Horns.
Johannes Odenthal, Programmbeauftragter der Akademie der Künste, beschreibt die
einzigartige Herangehensweise in den Arbeiten von Kalliopi Lemos wie folgt: „Ihre
Mahnmale sind ebenso politisch wie poetisch, ebenso zeitgenössisch wie zeitlos. Sie
behaupten eine strenge und ebenso emotionale Tradition der Erinnerung und Kritik
westlichen Denkens.“
Kurzbiographie
Kalliopi Lemos wurde 1951 in Griechenland auf der Insel Oinousses geboren, wuchs in
Athen auf und lebt und arbeitet jetzt in London. Sie studierte Malerei und Druckgrafik an der Byam Shaw School of Art, Teil des Central Saint Martins College of Art and Design in
London, wo sie ihr Studium der Malerei nach ihrem Bachelor-Abschluss fortsetzte. Seit 1998 beschäftigt sich Lemos systematisch mit der Plastik. Ihr Studium an der Sogetsu Schule für Ikebana zeigt auch den Einfluss der japanischen Kunst und Kultur auf sie.
www.kalliopilemos.com
Ausstellungen
2009 plastische Installation im öffentlichen Raum, Atrium of the Olympic Tower
(New York, USA)
2007 – 2009 “Round Voyage” Installation (Istanbul, Türkei)
2006 – 2009 “Crossing” Installation, Aischylia Festival 2006 – 2007 (Eleusis,
Griechenland)
2006 “Rites of Passage”, Art Gallery of Cyclades (Syros, Griechenland)
„At Crossroads“, täglich durchgehend geöffnet vom 12. bis 30. Oktober 2009 am
Brandenburger Tor/Platz des 18. März, Berlin.
Eine begleitende Dokumentation der gesamten Trilogie der Künstlerin wird im Foyer der
Akademie der Künste am Pariser Platz gezeigt.
Akademie-Gespräch mit Prof. Klaus Staeck (Präsident Akademie der Künste), Kalliopi Lemos und Alexandros Zavos (IMEPO – Hellenic Migration Policy Institute) am 20. Oktober 2009,
19 Uhr. www.adk.de



