„Diktatur und Migration: Aspekte griechischen Lebens“
Der Film "Wort und Widerstand" und das Theatererstück "Migrantenchor" stehen im Mittelpunkt des Beitrags des Lehrstuhls für Neogräzistik zur diesjährigen "Langen Nacht der Wissenschaft" an der FU- Berlin
Im Rahmen der „Langen Nacht der Wissenschaften“ lädt das Institut für Griechische und Lateinische Philologie der FU-Berlin/Professur Neogräzistik Sie herzlich ein am Samstag, dem 5. Juni 2010 zum Programm „Diktatur und Migration: Aspekte griechischen Lebens“:
Aus Anlass des 50jährigen deutsch-griechischen Anwerbeabkommens präsentiert die Professur der Neogräzistik in Zusammenarbeit mit der Griechischen Kulturstiftung in Berlin Aspekte des griechischen Lebens.
Migrantenchor
Der Regisseur Kostas Papakostopoulos, Leiter des Deutsch-Griechischen Theaters Köln, stellt im Gespräch mit der Moderatorin Niki Eideneier und anhand von Video-Aufzeichnungen die erfolgreiche DGT-Produktion „Migrantenchor“ vor. Er berichtet von den Erfahrungen, die er bei der Arbeit an der Inszenierung gemacht hat, u. a. von den Interviews, die er mit Arbeitsmigranten verschiedener Nationalitäten (u. a. Griechen, Italiener, Türken) geführt hat. Auf der Grundlage dieser „Oral Histories“, historischer Dokumente und Berichte von Zeitzeugen konzipierte der Regisseur 2006 eine Kollage aus Dokumentation und Dichtung, die erstmals die Geschichten dreier Generationen von Arbeitsmigranten in der Bundesrepublik auf deutschen Theaterbühnen zeigte.
Migrantenchor
Wort und Widerstand: Die Jahre der Griechischen Diktatur (1967–1974)
Der Taxifahrer weigert sich schweigend, das Geld anzunehmen. Athen, Ende Juli 1974. Wenige Tage nach dem Sturz der Diktatur. Vom Flughafen zu Hause angekommen besteht meine Mutter darauf zu bezahlen. Der Taxifahrer schweigt. „Möge meine Hand verdorren, wenn ich Geld von Ihnen nehme!“, flüstert er schließlich. Er hatte ihre Stimme erkannt. Sie war eine der drei, vier markanten Stimmen der griechischen Sendung der Deutschen Welle, die täglich zwischen 20.40 und 21.40 Uhr ausgestrahlt und in den finsteren Jahren der Diktatur heimlich von der überwiegenden Mehrheit der Griechen gehört wurde.
„Wort und Widerstand“ erzählt die Geschichte der Männer und Frauen, die diese Sendung geschaffen und, vom faschistischen Regime der Obristen ins Exil gezwungen, sich sieben Jahre lang dafür durchgeschlagen haben, die Würde aufrecht zu erhalten und den Menschen in Griechenland die Hoffnung zurückzugeben. Der Film bezeichnet zum ersten Mal die historische Rolle, die sie während und nach der Diktatur gespielt haben, und verdeutlicht den Platz, den sie bald vierzig Jahre später noch immer in der Kollektiverinnerung des Landes einnehmen. Der Film hinterfragt die Macht des engagierten Wortes und versucht seine Notwendigkeit gerade heute neu zu definieren.
Mitwirkende: Karolos Papoulias (freier Mitarbeiter der Sendung, Staatspräsident Griechenlands), Dora Bakoiannis (Bürgermeisterin Athens, Außenministerin Griechenlands), Giorgos Mangakis (Professor für Recht, Minister, Anwalt), Thanassis Valtinos (Schriftsteller). Redakteure, Kommentatoren und freie Mitarbeiter der Sendung: Kostas Nikolaou, Vassilis Mavridis, Giorgos Kladakis, Danae Koulmasi, Alek Schinas, Vassos Mathiopoulos, Mario Nikolinakos, Nikos Tzavaras, Nikos Mavromatis.
Der Regisseur und Buchautor Timon Koulmasis wird anwesend sein und mit dem Publikum diskutieren.
