Lucas Papademos neuer griechischer Ministerpräsident
Der 64-jährige Wirtschaftsexperte und frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) erhielt am 10.11.2011 von Staatspräsident Karolos Papoulias den Auftrag zur Bildungg einer neuen Regierung.
Der neue griechische Ministerpräsident Lucas Papademos ( Λουκάς Παπαδήμος - Loukas Papadimos) ist am 11. Oktober 1947 in Athen geboren. Sein Studium am MIT in den USA schloss er mit einem Bachelor in Physik, einem Master in Elektrotechnik und einem Doktor in Ökonomie ab. Von 1975 bis 1984 war er Professor für Ökonomie an der Columbia University, während er gleichzeitig als Ökonom der Federal Reserve Bank (USA) tätig war.
Seit 1988 ist er Professor an der Universität Athen Ausserdem hat er eine Gastprofessur an der Harvard Kennedy School inne. Er ist Mitglied der Akademie Athen.
Seit 1985 war er für die Bank von Griechenland tätig, wurde 1993 deren Vizegouverneur und übernahm ein Jahr später deren Leitung. In seiner Amtszeit als Gouverneur der griechischen Notenbank fiel der Übergang von der griechischen Drachme zum Euro.
Papademos gilt als einer der Architekten des Euro-Beitritts Griechenlands. Von 2002 bis 2010 war er Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.
Großes Ansehen gewann Papademos für seine Rolle bei der Eindämmung der globalen Finanzkrise und der Euro-Schuldenkrise. Als er sich im Mai 2010 aus dem Amt verabschiedete, lobte ihn der damalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mit den Worten: „Wir alle sind Lucas sehr dankbar".
Lucas Papademos beriet bis zuletzt gelegentlich die griechische Regierung in Wirtschaftsfragen.
Papademos sagte nach seiner Nominierung, Griechenland stehe am Scheideweg. Die Wirtschaft des Landes stehe vor enormen Problemen, die aber gelöst werden könnten. Die Mitgliedschaft in der Euro-Zone sei dabei Garantie für Geldwertstabilität. Zugleich rief er die Griechen zur Einigkeit auf. Die Lasten, die zur Ankurbelung der Wirtschaft notwendig seien, müssten gemeinsam getragen werden.
Wir zitieren dazu aus "Griechenland Aktuell" (Athen):
Einigung auf Regierung der nationalen Einheit
Nach einem anderthalbstündigen Treffen am vorigen Sonntagabend unter Vorsitz des Staatspräsidenten Karolos Papoulias haben sich Premierminister Georgios Papandreou und der Vorsitzende der führenden Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, über die Bildung einer Übergangsregierung geeinigt.
Papandreou bestätigte während einer anschließenden Kabinettssitzung, diese Koalitionsregierung nicht anführen zu werden. In einer Mitteilung der Staatspräsidentschaft hieß es, Ziel der Übergangsregierung sei die Ratifizierung und Umsetzung der Beschlüsse des EU-Gipfels vom 26.- 27. Oktober und besonders die Durchführung des festgelegten Schuldenschnitts mit einem Anleihen-Tausch zu Beginn des nächsten Jahres. Zudem muss die neue Regierung die Auszahlung der 6. Kredittranche sicherstellen und den Staatshaushalt für 2012 im Parlament verabschieden. Danach sollen vorgezogene Parlamentswahlen stattfinden, deren Datum aber noch nicht festgelegt wurde.
Die Regierung wird morgen Mittag vereidigt und sich in einer Woche der Vertrauensfrage stellen. Papandreou begrüßte die Vereinbarung und sprach von einer „historischen politischen Errungenschaft“.
Am Donnerstag wurde nach mehrtägigen intensiven Verhandlungen der neue Regierungschef bekanntgegeben. Premierminister wurde der frühere Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und Ex-Gouverneur der Bank von Griechenland, Lucas Papademos. Der Führer der Orthodoxen Volkssammlung LAOS, Georgios Karatzaferis und die Vorsitzende der Demokratischen Allianz und ehemalige Außenministerin, Dora Bakojanni, haben der neuen Regierung ihre Unterstützung zugesagt.
