Verbundenheit mit der Kultur des Anderen


Enge kulturelle Verbindungen zwischen Griechenland und Deutschland bestehen seit dem Freiheitskampf der Griechen gegen die Türkenherrschaft, der von den Philhellenen in Deutschland unterstützt wurde. Unter der Herrschaft von König Otto aus dem Hause Wittelsbach (1835-1863) kamen zahlreiche deutsche Wissenschaftler und Verwaltungsfachleute ins Land.

Durch die bahnbrechenden Forschungen deutscher Altertumswissenschaftler, die Tätigkeit deutscher Ingenieure für die Entwicklung des Landes und die weitgehende Orientierung am deutschen Recht ergaben sich auf wissenschaftlichem Gebiet starke Bindungen, die auch die durch die beiden Weltkriege bewirkten tiefen Einschnitte überdauert haben.

Heute leben in Griechenland rund 200.000 Griechen, die in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland studiert haben. Ca. 40.000 Griechen haben ihre Berufsausbildung ganz oder teilweise in Deutschland absolviert. Fast 1 Mio. Griechen, d.h. ein Zehntel der Bevölkerung, hat einige Zeit in Deutschland verbracht. Heute leben noch ca. 370.000 Griechen in Deutschland und ca. 40.000 deutsche Staatsbürger leben in Griechenland.


Das Goethe-Institut unterhält Zweigstellen in Athen und Thessaloniki, während in Berlin eine Zweigstelle der griechischen Kulturstiftung ihren Sitz hat. Die Goethe-Institute in Griechenland nehmen weltweit die meisten Sprachprüfungen ab und tragen sich damit zu einem weit überdurchschnittlichen Anteil selbst.

Die Deutsche Schule in Athen mit deutscher und griechischer Abteilung (insgesamt über 1.000 Schüler) blickt auf eine über 100jährige Tradition zurück und genießt einen ausgezeichneten Ruf. Dasselbe gilt für die Deutsche Schule in Thessaloniki.

Die 1874 gegründete Zweigstelle Athen des Deutschen Archäologischen Instituts betreut bedeutende Ausgrabungen in Olympia, auf dem Kerameikos-Friedhof in Athen, auf der Insel Samos und in Tiryns (Peloponnes).

Über 1.000 griechische Studenten und Wissenschaftler haben DAAD-Jahres- und Forschungsstipendien sowie über 280 Humboldt-Stipendien erhalten.

Geschichte der deutsch-griechischen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen

 

von Prof. Dr.Evangelos Konstantinou, Universität Würzburg

 


Mit der Krönung Otto I.(962-973), Sohn König Heinrich I. und der Mathilde, bestieg 962 der berühmteste Vertreter des mächtigen germanischen Stammes der Sachsen den Thron.

Mit der Machtergreifung des Johannes Tzimiskes (969-976) wurden die Beziehungen zwischen Sachsen und Byzanz, die durch Nikephoros Phokas II. im Jahre 963 für kurze Zeit unterbrochen waren, wieder normalisiert. Den Höhepunkt dieser Ost-West-Annäherung bildet die Heirat Ottos II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophano am 14. April 972 im Petersdom zu Rom. Dieses Ereignis ist für den byzantinischen kulturellen Einfluss im frühen mittelalterlichen Deutschland von entscheidender Bedeutung. Gleich nach ihrer Ankunft in Deutschland begann Theophano mit ihrer großen politischen und kulturellen Mission. Den ersten Schwung zur Realisierung ihres kulturellen Programms gaben die byzantinischen Kunstgegenstände und die kostbaren Textilien, die sie als Brautschatz mit nach Deutschland gebracht hatte. Diese Exponate der höfischen byzantinischen Kunst haben als Vorbilder einen entscheidenden Einfluss auf die deutsche Kultur ausgeübt. Bis heute kann man einige Stücke dieses Brautschatzes, den der byzantinische Kunsthistoriker Wentzel zu rekonstruieren versucht hat, bewundern .
(Das byzantinische Erbe der ottonischen Kaiser. Hypothesen über den Brautschatz der Theophano, in: Aachener Kunstblätter 40 (1971), 15-39)

Theophano brachte nicht nur eine große Zahl von Kunstgegenständen und Textilien in das damalige ottonische Reich, sondern auch eine Schar von Künstlern, Geistlichen und Gelehrten, die dem deutschen kulturellen Leben wichtige Impulse gaben. Im Köln der damaligen Zeit hatten sich viele Griechen niedergelassen, die als Künstler und Händler wirkten. Das Kloster des Sankt Pantaleon in Köln wurde zur Zeit Theophanos zu einem Zentrum byzantinischer Kultur. In diesem Kloster hat sie Werkstätten für Goldschmiede und andere Kunsthandwerker eingerichtet.

Einer ihrer Verwandten, der Geistliche Gregorios, gründete ein christliches Hospiz in Burtscheid bei Aachen. Mit besonderem Interesse förderte die Kaiserin Theophano den Unterricht in der griechischen Sprache. Sie berief als griechischen Sprachlehrer den byzantinischen Dichter Michael Massafra aus Tarent.
(Anlässlich der 1000jährigen Wiederkehr des Todesjahres dieser griechischen Kaiserin auf dem deutschen Thron, fanden in Deutschland zahlreiche Veranstaltungen statt mit einer Fülle von Publikationen, die neues Licht auf ihr Leben und ihre Werke geworfen haben. Ich möchte hier nur drei erwähnen: 1. Kaiserin Theophano. Begegnung des Ostens und Westens um die Wende des 1. Jahrtausends, Bd. I und II, Köln 1991. (Hrsg von Anton von Euw und Peter Schreiner). 2. Byzanz und das Abendland im 10, und 11. Jahrhundert. Böhlau Verlag Köln. Weimar. Wien 1997 (hrsg von Evangelos Konstantinou). 3.The Empress Theophano byzanrium and the west at the turn of the first millennium. Edited by Adelbert Davids, Cambridge University, Press 1995.)

Die germanische Präsenz im byzantinischen Heer ist auch in den späteren Jahrhunderten innerhalb des byzantinischen Heeres spürbar. Alexios Komnenos (1081-1118) konnte mit Hilfe des Führers der deutschen Söldner in Byzanz, Gilpraktos, in Konstantinopel eindringen. Die byzantinische Historiographin Anna Komnene, die als Tochter des Alexios den Ausländern sehr kritisch gegenübersteht, rühmt die Tapferkeit und Kriegskunst des Gilpraktos, den sie als "Mauerstürmer" mit dem altgriechischen Kriegsgott Ares vergleicht.

Im Laufe der byzantinischen Geschichte kam es mehrmals zu einem deutsch-byzantinischen Bündnis gegen gemeinsame Feinde. Im Jahre 814 wandten sich die Byzantiner an Karl den Großen um Unterstützung gegen die Bulgaren. Kaiser Theophilos (829-842) bemühte sich sehr eifrig um eine militärische Liaison mit den Franken gegen die Sarazenen im Osten. Den Bemühungen von Byzanz um ein gutes Verhältnis zu dem Römischen Reich deutscher Nation dienten auch die Verschwägerungen zwischen beiden Reichen. Kaiser Ludwig der Blinde, König von Niederburgund (+928) war mit einer Tochter des byzantinischen Kaisers Leon VI. verheiratet. Die erste Frau Romanos II. (959-963) war eine Tochter des Königs Hugo von Italien (926-948). Die Vermählung der Prinzessin Theophano, einer Nichte des Kaisers Johannes Tsimiskes, mit Otto II. im Jahre 972, war, wie erwähnt, die wichtigste und folgenreichste dieser Verbindungen.

Alexios Komnenos bemühte sich um ein gemeinsames Vorgehen gegen die Normannen Guiskards, der im Juni 1081 Griechenland überfallen hatte. Johannes II. (1118-1143) und sein jüngster Sohn Manuel Komnenos I. (1143-1180) pflegten intensive Beziehungen mit Kaiser Lothar III. (1133-1137) und Konrad III., dessen Schwägerin, die schöne Bertha von Sulzbach, die den Manuel Komnenos geheiratet hatte. Heinrich III. war ein großer Bewunderer von Byzanz. Gegenüber Konstantinos IX. Monomachos (1042-1055) betonte er immer wieder seine Abstammung von byzantinischen Kaisern und war gerne bereit, die griechischen Sitten anzunehmen.

Auf dem Gebiet der militärischen Theorie und Praxis kann man von Wechselbeziehungen sprechen, wie neuere Arbeiten gezeigt haben. Manuel Komnenos I. soll in Byzanz westliche waffentechnische Neuerungen eingeführt haben. Während seiner Regierung kam es zu einer fruchtbaren Begegnung mit der deutschen Kultur. Das deutsche Militärwesen verdankt der byzantinischen Kriegskunst wesentliche Anregungen. Das zeigt sich noch an dem Grafen Johann II. von Nassau und dem Landgrafen Moritz von Hessen, die bei der damaligen Heeresreform wesentliche Impulse von der byzantinischen Militärschrift "Taktik" Leons VI. (886-912) bekamen, wie ein Brief Wilhelm-Ludwigs von Nassau vom 8. Dezember 1594 an Prinz Moritz von Oranien bezeugt.

Die Renaissance der klassischen Studien in Deutschland und generell im Westen ist unmittelbar mit den griechischen Gelehrten verbunden, die vor und nach dem Fall von Konstantinopel in das Abendland flüchteten. Wie die italienischen, französischen, englischen, holländischen und anderen europäischen Humanisten zur Zeit der Renaissance, so waren auch die deutschen Humanisten Schüler jener griechischen Gelehrten. Der Archeget der griechischen Studien in Deutschland während dieser Epoche, der Dominikanermönch Johannes Conon, studierte bei den griechischen Humanisten Markos Musuros und Johannes Gregoropoulos in Italien, während Johannes Reuchlin ein Schüler des Johannes Argyropoulos war. So begeistert war Conon vom Geiste des griechischen Humanismus, dass er im Jahre 1505 seine Studien in Italien unterbrach, um den deutschen Kaiser Maximilian I. (1493-1519) für die Gründung einer Akademie der klassischen Studien im Sinne des italienischen Humanisten Aldus Manutius zu gewinnen. Die altgriechischen Texte und sonstige Bücher über die antike Literatur, die im Verlag des bekannten griechischen Humanisten Kalliergis gedruckt wurden, fanden auch in Deutschland große Verbreitung. In diesem Land wurde später in der Neuzeit auf dem Gebiet der Klassischen Altertumswissenschaft Pionierarbeit geleistet, die für das versklavte Griechenland, das unter dem osmanischen Joch stöhnte, von außerordentlicher Bedeutung war. Hier wurden zum ersten Mal wichtige griechische Handschriften ediert, und die Klassische Philologie, die Philosophie, die Archäologie und die Kunstgeschichte gelangten zu einer solchen Blüte, dass Deutschland ein zweites Griechenland wurde, wo die wissbegierigen Griechen vor und nach der Befreiung Griechenlands die geistigen Schätze ihres Vaterlandes wiederentdecken konnten.

Die Protagonisten der Reformation, Martin Luther und Philipp Melanchthon, gaben der Verbreitung der griechischen Sprache und Kultur in Deutschland neue Impulse. So begeistert war Luther vom antiken Hellas und seiner Kultur, dass er in seinem Briefwechsel mit den Humanisten seiner Zeit für sich den bezeichnenden griechischen Namen Eleutherios (freier Mensch) verwendete. Seinen späteren Zufluchtsort Wartburg nannte er Patmos. Die griechische Sprache und Kultur fand im Deutschland des 16. Jahrhunderts in der Person des Martin Crusius (1526-1607) Professor für Klassische Philologie an der Universität Tübingen, ihren größten Förderer. (Darüber siehe die neue Dissertation von Klaus-Henning Suchland, Das Byzanzbild des Tübinger
Philhellenen Martin Crusius (1526-1607), Würzburg 2001).

Martin Crusius ist überhaupt der erste Europäer, der sich nicht nur für die altgriechische, sondern auch für die neugriechische Sprache und Kultur interessierte. Seine Liebe galt nicht nur den griechischen Studien, sondern auch den damaligen Griechen, die unter dem türkischen Joch stöhnten. "Ich bin der Herkunft nach Deutscher", sagte er, "aber ich liebe, und ich werde immer lieben die griechische Sprache und die Griechen" (15 Zachariades, Georg Elias. Tübingen und Konstantinopel: Martin Crusius und seine Verhandlungen mit der Griechisch-Orthodoxen Kirche. Göttingen 1941, S. 79.)
Sein Lebenstraum war, eine enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Griechenland zu bewirken. Viele griechische Studenten fanden bei diesem philhellenischen Professor in Tübingen warmherzige Aufnahme.

Schon in jener Zeit gab es in Deutschland nicht nur Studenten, die an den Universitäten die geistigen Schätze ihres Vaterlandes wiederentdecken konnten, sondern auch griechische Professoren, wie z. B. Emilios Porto, Professor für Klassische Philologie an der Universität Heidelberg (1596-1608), die einen großen Beitrag zur Verbreitung der griechischen Sprache und Kultur in Deutschland leisteten.

Im 16. Jahrhundert war Deutschland ein berühmtes Zentrum griechischer Studien. Ein griechischer Freund von Martin Crusius, Theodoros Zygomalas, schrieb ihm u.a. folgendes: "Ich sehe, dass alle Güter aus den griechischen Orten: die Weisheit, die Kunst und Wissenschaft, die Vornehmheit und der Reichtum nach Deutschland übergesiedelt sind."16 Und dies bestätigte ihm sein Freund Crusius, wenn er ihm erwiderte, "dass Griechenland seine Sprache und sein Herz nach Deutschland verlegt hatte". Altgriechische Sprache und Kultur erfahren zwei Jahrhunderte später in der Deutschen Klassik des 18. Jahrhunderts ihren größten Triumph. Der Archeget dieser neuen Bewegung, die alles Griechische nicht nur bewunderte, sondern auch anbetete, war Johann Joachim Winckelmann (1717-1768), der mit seinem Buch "Geschichte der Kunst des Altertums (1764) das antike Hellas wiederentdeckte. Sein Motto lautete: "Der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist die Nachahmung der Alten ,..".(Johann Joachim Winckelmann: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst. Dresden 1755, 2.Aufl. 1756, S. 2-3) Daher wird er von den anderen deutschen Klassikern als Heiliger gefeiert. Friedrich Schlegel betont diesbezüglich: "Der erste unter uns, der die intellektuelle Anschauung der Moral gehabt und das Urbild vollendeter Menschheit in den Gestalten der Kunst und des Altertums erkannte und gottbegeistert verkündete, war der heilige Winckelmann"18 Und dieser Heilige hatte großen Erfolg mit seiner enthusiastischen Predigt über Griechenland und seine Kultur.

Deutsche Archäologen und Kunsthistoriker wiederum, wie Georg Gropius, Eduard Schaubert, Heinrich Schliemann u.a. haben mit der Entdeckung der antiken Kunstdenkmäler einen enormen Einfluss auf allen Gebieten des deutschen geistigen Lebens ausgeübt. Die altgriechische Sprache, Literatur und die antiken Metren werden im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts eifrig studiert und bringen die deutsche Literatur auf neue Wege. Friedrich Gottlieb Klopstock ist es gelungen, mit dem griechischen Hexameter der deutschen Poesie neue Impulse zu geben. Vor der einmaligen Schönheit und Harmonie dieses antiken griechischen Versmaßes verwirft Klopstock nicht nur den deutschen Reim, sondern alle deutschen und im allgemeinen alle europäischen Versmaße. In seinem "Messias" ist es ihm gelungen, den griechischen Hexameter zum Organ deutscher dichterischer Sprache zu machen.

Die drei großen deutschen Dichter - Goethe, Schiller, Hölderlin - suchen das Land der Griechen mit ihrer Seele. Sie leben und wirken in Deutschland, aber das Zentrum ihrer dichterischen Phantasie ist Griechenland. Obwohl sie das Land der Griechen nie betreten haben, träumen sie nur vom ewigen Hellas und seiner Kultur. Ihr wichtigstes Anliegen ist, eine fruchtbare Synthese zwischen dem griechischen und deutschen Geist zu schaffen.

Die uralte Liebe und Bewunderung Deutschlands zu Griechenland lieferte den Ansporn zu einer aktiven Anteilnahme an den blutigen Kämpfen des kleinen griechischen Volkes gegen die osmanische Oberherrschaft. Schon lange zuvor aber hatte das deutsche neuhumanistische Klima die Vorbereitungen des griechischen Befreiungskampfes gefördert. Die deutschen Gelehrten jener Zeit begrüßten mit Bewunderung die Gründung der Gesellschaft der Musenfreunde in Athen im Jahre 1813, deren erster Präsident Graf Johannes Kapodistrias aus Korfu war. Das Hauptanliegen dieser Gesellschaft war, die Neugriechen mit den geistigen Schätzen ihrer antiken Vorfahren vertraut zu machen. Darüber hinaus bemühte sie sich, das griechische Schulwesen zu organisieren und die Kunstschätze des antiken Hellas von den Raubzügen einiger europäischer Philhellenen zu bewahren. Mit der Gründung einer Zweigstelle dieser Gesellschaft in Wien im Jahre 1814, während des Wiener Kongresses, beeilten sich begeisterte deutsche Prinzen, Souveräne und Gelehrte, den goldenen oder ehernen Ring, das Symbol der Philomusengesellschaft, anzulegen. Der damalige bayerische König, Maximilian I., wie auch sein Sohn, Kronprinz Ludwig I, Professor Friedrich Wilhelm von Thiersch und andere deutsche Adelige und Gelehrte gehören zu den ersten Mitgliedern dieser Gesellschaft.

Als nachher das reaktionäre Klima Metternichs in Wien die Aktivitäten dieses Bundes erheblich erschwerte, fanden die Griechen keinen besser geeigneten Ort, um den Sitz ihres Vereins zu verlegen, als die Metropole des bayerischen Philhellenismus: München. Die Leitung dieses Vereins, der für die Vorbereitung des griechischen Kampfes Enormes geleistet hat, übernimmt hier ein begeisterter Philhellene, Professor Franz Baa-der. Professor Thiersch wiederum gründete kurz darauf das griechische Gymnasium "Atheneum", wo griechische Jünglinge erzogen werden sollten. Eine Schar von griechischen Studenten, vor allem aus dem makedonischen Raum, studierte damals an der Universität München als Stipendiaten der erwähnten Gesellschaft der Musenfreunde. Der größte Tel der finanziellen Mittel dazu kam aus deutschen Quellen. Die Psyche dieser Bewegung wird Roxana Sturdza, die später den deutschen Grafen Edling, Außenminister am Hof von Weimar, ehelichte. Der erwähnte philhellenische Professor Baader arbeitete mit ihr ununterbrochen, um, nach seinen eigenen Worten, die "Herzen und die Schatullen der Europäer für die Sache der Griechen zu öffnen".

Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle den makedonischen Studenten Anastasios Pappas, der im Jahre 1816 bei Professor Thiersch in München studierte. Zwischen Lehrer und Schüler entwickelte sich eine Freundschaft. Thiersch ermunterte Pappas in seinem Entschluss, für die Befreiung seiner Heimat zu kämpfen. Auch an den anderen deutschen Universitäten fanden die griechischen Studenten warmherzige Aufnahme. Sie begeisterte damals, wie Goethe sagte, der Wunsch "sich besondere deutsche Bildung anzueignen" um "allen solchen Gewinn dereinst zur Aufklärung, zum Heil ihres Vaterlandes zu verwenden". Zu diesen Studenten gehörte vornehmlich Johannes Papadopoulos, der in den Jahren 1817-1818 in Jena als Stipendiat der erwähnten "Gesellschaft der Musenfreunde" studierte. Er war mehrmals bei Goethe und übersetzte sogar dessen "Iphigenie" ins Griechische.

Griechische Gelehrte wiederum, wie Anthimos Gazis, Andreas Mustoxydis, Konstantinos Kumas und Konstantinos Oikonomos, werden zu Mitgliedern der Berliner Akademie gewählt. Im damaligen Deutschland begann auch das Interesse für die Erforschung der neugriechischen Literatur, die als eine natürliche Fortsetzung der altgriechischen betrachtet wird. Goethe bietet hierfür das beste Beispiel. Er bewunderte nicht nur die altgriechische Literatur, sondern auch die neugriechischen Volkslieder, die zum großen Teil von der Idee der Befreiung Griechenlands von den Türken inspiriert waren. Als der westfälische Baron Werner von Haxthausen seine Übersetzung griechischer Volkslieder im Juli 1815 Goethe in Wiesbaden zeigte, war er fasziniert und bezeichnete sie als das schönste Beispiel lyrischer, dramatischer und epischer Dichtung. So beeindruckt war er von diesen Beispielen neugriechischer Muse, dass er sogar mit Hilfe von französischen Vorlagen ein Lied über Charon sowie sechs neugriechisch-epirotische Heldenlieder ins Deutsche übersetzte.

Die Protagonisten der philhellenischen Bewegung in Bayern zugunsten der schwergeprüften Griechen, die verzweifelt gegen die osmanische Oberherrschaft kämpften, waren der bayerische König Ludwig L, dieser "Fürst der Philhellenen", wie er zurecht genannt wurde, und Friedrich Wilhelm von Thiersch, Professor für Klassische Philologie an der Universität München. Ludwig, der nach seinen eigenen Versen lieber "ein hellenischer Bürger als ein Erbe des Throns" sein wollte, hat nicht nur mit seinen Gedichten einen aufrichtigen und geradezu unbändigen Philhellenismus verbreitet, sondern er hat den Befreiungskampf der Griechen auch durch großzügige Geldspenden unterstützt. Mit inniger Anteilnahme verfolgte er alle blutigen Stationen des griechischen Befreiungskampfes. Er greift zur Privatschatulle, um griechische Sklaven aus Messolonghi auf den Märkten Ägyptens wieder loszukaufen, und er sorgt für die Ausbildung von griechischen Jünglingen in München, die Söhne führender Freiheitskämpfer sind.

Im Jahre 1826 schickte Ludwig I. eine Sonderabordnung von qualifizierten Offizieren und Unteroffizieren unter der Leitung des bewährten Oberstleutnants von Heideck nach Griechenland, die die Griechen in ihrem Befreiungskampf unterstützen sollten. Später sandte er selbst seinen zweiten Sohn Otto als König des neu gegründeten Staates nach Griechenland. Mit ihm kam ein Schar von Wissenschaftlern, Architekten und Künstlern, die entscheidenden Einfluss auf den neugriechischen Staat ausübten. Das griechische Schulwesen verdankt einigen vortrefflichen deutschen Philologen eine große Förderung. Ihren Bemühungen ist auch die Errichtung von Universität und Technischer Hochschule, Akademie der Wissenschaften und der Künste, Konservatorium und Staatsbibliothek, Kunstsammlungen und Archäologischem Nationalmuseum in Athen zuzuschreiben.

Im Auftrag Ludwig I. kamen die Künstler Peter von Hess, Karl Wilhelm von Heideck, Karl Rottmann, Karl Raal u.a. nach Griechenland. Die ersten griechischen Maler, wie Vryzakis, Nikephoros, Lytras und Gyzis, sind Schüler des großen Münchner Malers Ludwig von Thiersch, eines Sohnes des erwähnten phihellenischen Professors. Im ersten Professorenkollegium der Otto-Universität, deren Muster die Universität Göttingen war, finden wir sieben deutsche Professoren. Auch nach der Abdankung Ottos sind die kulturellen Beziehungen zu Deutschland eng geblieben.

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